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Corrie Kuijs und ihr Streben nach Perfektion Corrie Kuijs strebt nach Perfektion. Dieses Streben ist ein Teil ihres Lebens, ihres Charakters, ihres Daseins. Sie ist der Meinung, dass sie sie noch nicht erreicht hat, noch lange nicht. Aber gerade das macht sie zu einer faszinierenden Künstlerin. Denn während sie eigentlich auf der Suche ist nach der perfekten, der einzig richtigen und treffsicheren Form, lässt sie ihre Intuition sprechen, ihre Fähigkeit selbst zu bestimmen, welche Farbe ihr gefällt oder nicht, welche Form ihr gefällt oder eben nicht, welches Mass an Gerad-linig-keit ihr gefällt. Vielleicht findet sie eines Tages diese eine Form die sie sucht. Die Frage ist nur, ob wir diese eine Form dann zu sehen bekommen, denn die perfekte, die einzig richtige und treffsichere Form würde sie selbst übersteigen. Nein, Corrie Kuijs soll bitte auf der Suche bleiben! Menschen abbilden interessiert sie nicht. Wahrscheinlich weil sie an Menschen schon ein so grosses Interesse hat. Schon immer, schon während ihrer Ausbildung an der Kunstakademie, zuerst in Groningen und später in Arnheim, war es die Architektur, die sie faszinierte. Wirklichkeit oder Phantasie, Türme, uneinnehmbare Festungen unberührt und wuchtig, aber auch und trotzdem verletzlich, von ihr selbst Wächter genannt. Gleichzeitig, auf jeden Fall aber schon während der ersten Jahre, entstehen ihre imaginären Räume: architektonische Gemälde, wobei es eigentlich nichts mehr ausmacht, was sie wohl oder nicht wirklich gesehen hat. Räume die, schon wieder, ohne Menschen und ohne irgendeine Form von Leben sind . Das gilt fuer alle ihre Gemälde. Es geht ihr um Einzelheiten und es hat mit diesen Räumen immer etwas Sonderbares auf sich. Nach den imaginären folgen 1999 die mentalen Räume. Und dann entdeckt sie den Baukasten ihres Sohnes und alles geht auf einmal sehr schnell. Oder gerade nicht. Denn jetzt kommt auch der schwierigste Moment. Sie macht die Serie Zusammenstellungen. Lose Formen, hergeleitet aus dem Baukasten, zusammengestellt, mal in einem festen, mal in einem scheinbar losen Verband, Es ist dieser Baukasten, der sie entdecken lässt, dass Architektur aus Formen besteht, die entweder zusammengestellt oder auch nicht zusammengestellt werden. Das sieht wie eine einfache Entdeckung aus, aber nur wenn man es -als Erwachsener- erfährt, wird man sich dessen bewusst. Und nur in der ständigen Wiederholung, sieht man die Möglichkeiten. Dadurch kann man sich von der Architektur befreien. Sind es anfangs noch die Klötze aus dem Baukasten, so geht es ihr allmählich um die Kontraste zwischen Hell und Dunkel, zwischen Hoch und Tief und so weiter, um dann in abstrakten oder, noch besser, konkreten Formen zu enden. Nämlich Formen, die auf nichts anderes als auf sich selbst verweisen. Zu gleicher Zeit gibt es dann auch – neue – Dilemmas. Wie perfekt oder perfektionistisch muss die Form sein oder werden ? In welchem Masse will der Kuenstler noch erkennbar bleiben in seiner Arbeit.? Oder wird diese gerade ohne ihn, wie von selbst bestimmt? Bis jetzt und das besagt schon wie konsequent Corrie Kuijs arbeitet, trifft ein Ausspruch von ihr aus dem Jahre 1997 immer noch zu: “ Ein Kunstwerk entsteht allmaehlich: ich schiebe genauso lange mit Formen bis das richtige Mass und die richtige Komposition entstanden ist, ich bringe genau solange dünne Schichten Farbe an, bis die richtige Tiefe, Helle und Ton der Farbe erreicht ist. (Aus einem Text von Alfred Kersaan von 1997.) Das sagt sie über ihre Gemälde, aber gerade in ihren Objekten strebt sie die Perfektion an. Nicht die in Bronze gegossene Form, die sie letztendlich nicht im Griff hat, aber die strenge Form in Holz oder Messing, mit geraden Ecken und nicht noch ein wenig abgerundet. Aber hier wird deutlich, das es sogar mit diesen Materialien schwierig ist die perfekte, gerad(linige) Form zu erreichen. Es wird noch Jahre dauern, bis Corrie Kuijs ihre perfekte Form, die einzig wahre, treffsichere Form finden wird. Wer weiss, vielleicht schafft sie es nie. Eigentlich können wir das nur hoffen. Frits Bless Alt-Direktor Museum Reekum Apeldoorn |